Flapper-Kleider: Das Comeback des Gatsby-Glamour
Bauhaus, Art Déco, Jazz und rauschende Feste – die ‚goldenen 20ies‘ stehen für eine neue Generation von Frauen: emanzipiert, gelöst von bislang geltenden gesellschaftlichen Normen, unabhängiger und provokant.
Eine Subkultur, die als Symbol weiblicher Emanzipation, sexueller Selbstbestimmung, Selbstverwirklichung und für einen hedonistischen Lifestyle stand. Auch war nach den Kriegsjahren das Gefühl entstanden, ‚Jetzt leben zu wollen’. Die Flapper-Bewegung entwickelte sich als Folge der Emanzipation von Frauen, die auf diese Weise die tradierten gesellschaftlichen Normen herausforderten. 100 Jahre später erlebt der typische Kleidungsstil ein Revival: Willkommen zurück, Flapper-Stil und Flapper-Girls.
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Der Glamour einer neuen Haltung: Bold, ausdrucksstark und nicht zu übersehen
Frauen feierten damals mit einem neuen Look ihre Unabhängigkeit – in vielen Ländern hatten sie endlich das Wahlrecht erhalten. Die Mode adressierte das neue Selbstverständnis und veränderte damit die Styles nachhaltig. Keine Korsetts mehr, kurze Röcke, kurze Haare und weit schwingende Fransen an den Säumen gerade geschnittener Kleider – alles Ausdruck der Rebellion gegen eine starre Ordnung und das Feiern der neu gewonnen Freiheit in Gatsby-Kleidern. Genauso wie das ausgelassene Charleston-Tanzen und Cocktail-Trinken in verrauchten Clubs in Berlin. Auch das Schönheitsideal änderte sich hin zu androgyneren Körpern.
Was bedeutet eigentlich ‚Flapper‘?
Der Begriff lässt sich nicht eins zu eins herleiten, er hat eine lautmalerische Komponente. ‚To Flap‘ kann im Englischen auch so viel wie ‚flattern‘ bedeuten. Möglich ist, dass es sich aus einem Vergleich mit jungen Vögeln herleitet, die mit den Flügeln ‚flattern‘. Auch ist das ‚Flattern‘ der locker sitzenden Fransenkleider bei jeder Bewegung als Ursprung denkbar.
Was macht die Flapper-Looks aus?
Die beliebte typische 20ies Silhouette wurde als ‚La Garçonne‘ bezeichnet – androgyn, schmal, knabenhaft. Betont weibliche Linien verschwanden bis Anfang der 1930er aus der Mode. Die meist maximal knielangen Flapper-Kleider waren nicht auf Taille geschnitten, sondern fielen gerade. Sie waren meist ärmellos und saßen locker. Häufig fanden sich auf den Kleidern Art Déco-Elemente oder Perlen. Die Schulterpartie war asymmetrisch geschnitten, diagonale Linien waren en vogue und Rückenausschnitte kamen mit dünnen Trägern über den Schulterblättern. Auch glitzernde Pailletten waren keine Seltenheit.
Modisches Comeback 2026 – Zeitgeist oder Zufall?
Just jetzt – 100 Jahre später – erlebt der Flapper Trend ein Revival auf den Runways von Massimo Duti, Ferragamo, Valentino oder Balmain. Kleider, Mäntel und Blusen kommen mit Fransen, brechen schlichte Cuts auf und sorgen für viel Bewegung und Eigendrehung beim Laufen. Auffällig sind die extrem klaren und schlicht gehaltenen Schnitte, die fast minimalistisch anmuten. Erst durch die Fransen erhalten sie eine pulsierende Attitüde. Wichtig zu wissen: Je länger die Fransen, desto dramatischer die Figur. Knielang für leichte Bewegung, bodenlang für maximalen Effekt. Dabei sind die Kreationen der Designer:innen kein Zufall, sondern Ausdruck einer neu erwachenden Sehnsucht nach dem puren Leben in Zeiten globaler Krisen und Herausforderungen. Die Welt ist in Aufruhr und die Mode antwortet mit Bewegung und Leichtigkeit, um die Last auf unseren Schultern für einen Moment los zu sein. Und den Moment und das Leben zu feiern.
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Mehr Avantgarde als Romantik – so wird der Retro-Stil neu interpretiert
Gerade Linien statt Schräglagen, minimalistische Formen statt Opulenz und viele überraschende Anknüpfungspunkte für die langen oder kürzeren Stofffasern – die Laufstege sind bevölkert mit den dynamischen Fäden. Fransen gibt es dort in verschiedenen Varianten und aus allen möglichen Materialien – von gehäkelten und gestrickten Designs über Leder bis hin zu zarter Seide oder robusten Kordeln. Der neue Flapper-Trend zieht Fransen über Schultern von Jacken oder Mänteln, bricht lange Röcke ab dem Knie damit auf oder garniert Nude-Dresses damit. Sie kommen bodenlang, sporadisch, dicht nebeneinander, so dass sie durch die Bewegung wie ‚fluider‘ Stoff wirken. Und zwar in den seltensten Fällen auf Abendroben, sondern allgegenwärtig im Alltag. Die dramatische Wirkung von Fransen machen sich jetzt Midikleider oder Jacken zunutze, denen das Design Textur und Bewegung verleiht. Party war vor 100 Jahren, heute sind die langen Fäden tägliche Begleitung.
Flapper bei Tag und bei Nacht
Während in den 20ies die Flapper-Kleider ausschließlich schwingenden Partykleidern vorbehalten waren, sind sie heute keiner Stilrichtung zuzuordnen. Alles fließt – vor allem die Grenzen zwischen den Stilen. Die langen Fäden haben nur ein Ziel: den Look vom Mainstream abzuheben – egal, in welcher Stilrichtung und zu welcher Tageszeit.
So stylst du Alltags-Looks: Gatsby-Power neu interpretiert
► Wähle ein Keypiece mit langen Fransen, wie beispielsweise einen schlicht geschnittenen Mantel und verleihe einer Basic-Kombi aus Hose und Shirt eine besondere Attitüde
► Trage ein schmales Kleid mit den bewegten Fäden und veredle es mit High Heels für einen glamourösen Anlass
► Entscheide dich für dezenten Einsatz von Fransen im Office, beispielsweise am Saum eines knielangen Rockes oder an den Ärmeln eines feinen Strickpullis
► Weniger ist mehr: Auch ausgesuchte Accessoires wie Taschen mit Fransendetails oder zierliche Stiefeletten sorgen für das nötige Quäntchen Stil
Ein Kommentar
Sind moderne, von den Flappern inspirierte Kleider eher für den Alltag oder immer noch hauptsächlich für besondere Anlässe wie Partys gedacht?