Juni 30, 2025

Zurück zur Form: Die Rückkehr der Sanduhr-Silhouette

Weite Schnitte, lässige Silhouetten, Oversized Cuts, Spiel mit Volumen und bewusst gesetzter Unschärfe – in den letzten Jahren haben körperumspielende Looks mit eher kantigen Formen unsere Outfits bestimmt. Doch, immer, wenn etwas zu lange en vogue ist, formiert sich ein Gegentrend: ein neuer Fokus auf die Taille und eine wieder erstarkende Sehnsucht nach Struktur, Konturierung und Weiblichkeit hält auf den Laufstegen und in den Streetstyles Einzug.

Wir alle erinnern uns an Christian Diors sog. ‚New Look‘, den er 1947 präsentierte. Die elfenbeinfarbene Jacke aus Seide und mit Taillen-Cut zusammen mit einem langen plissierten Rock mit mehrlagigem Unterrock betonten die weiblichen Kurven. Vieles, was aktuell bei den Designerinnen und Designern zu sehen ist, erinnert an die berühmte Dior-Silhouette. Es ist offensichtlich: Sanduhr-Silhouetten erleben 2025 ein Revival. Damit sticht Eleganz sticht Coolness – und zwar modern interpretiert.

 

 

Die Wiedergeburt der Sanduhr-Silhouette

Die Mode feiert also aktuell das Comeback einer ikonischen Silhouette: der Sanduhrform.

Aber was bedeutet eigentlich ‚Sanduhr‘- oder auch ‚X‘-Figur? Diese Körperform wird als Inbegriff der Weiblichkeit angesehen, als das Idealbild der sinnlichen Frau. Merkmale sind eine breite Hüfte, eine schmale Taille und ein ausgeprägtes Dekolleté.

 

 

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Bekannte Modehäuser wie Dior, Schiaparelli, Mugler oder Loewe setzen die Sanduhr-Silhouette momentan besonders eindrucksvoll in Szene: Dior spielt mit nostalgischen Korsettformen und edlen Stoffen, während Mugler mit skulpturalen Schnitten und Transparenz die Kurven feiert. Schiaparelli wiederum nutzt surrealistische Elemente, um weibliche Körperformen zu überhöhen und zu zelebrieren. Designer:innen – und das ist das Entscheidende – interpretieren traditionelle Schnitte neu und mischen sie mit modernen Akzenten. Formvollendet statt formlos – die Looks arbeiten mit Korsetts, breiten Taillengürteln, Drapierungen und Wickeloptik, um die Figur zu inszenieren. Es geht darum, die weibliche Linie bewusst zu betonen, statt zu kaschieren.

 

Struktur statt Oversized – eine Modewende?

Während typisch feminine Styles längere Zeit eher in den Hintergrund geraten waren, erlebt die Sanduhr-Silhouette jetzt ein Revival. Warum ist das so? Mode bewegt sich immer am Puls der Zeit, erspürt seismografisch gesellschaftliche Strömungen und Stimmungen. Im Hinblick auf Female Empowerment ist glücklicherweise einiges passiert und es gibt zumindest Fortschritte. Die Rückbesinnung auf die Betonung weiblicher Formen kann als ‚Power-Femininity‘ gelesen werden, als Ausdruck eines Wandels im feministischen Selbstverständnis.

Eben, weil Frauen selbstbewusster und selbstbestimmter sind, wird klassische Weiblichkeit jetzt als Ausdruck von Stärke und Emanzipation verstanden. Und das drückt sich auch in der Mode aus. Der Trend ist also nicht nur ein ästhetisches Phänomen, sondern auch sinnbildlich für einen positiven gesellschaftlichen Wandel. Es ist nicht mehr nötig, weibliche Formen zu verstecken, um in vermeintlichen Männerdomänen mitspielen zu können. Strukturierte Mode ist kein Rückfall in alte Rollenbilder. Sondern im Gegenteil, ein Ausdruck moderner Selbstermächtigung. Das neue Körperbewusstsein drückt Stärke und Identität aus und passt auch zur aktuell gelebten Körperdiversität. Die gute Nachricht ist: Die Rückkehr dieser Formensprache steht für ein neues Selbstverständnis von femininer Ästhetik als kraftvoll, selbstbewusst – und eben auch sinnlich.

 

 

Retro-Einflüsse in neuer Interpretation

Designer:innen feiern damit nicht nur die neue Attitude, sondern auch ihre Kreationskunst mit präzisen Schnitten, klaren Linien und aufwendig konstruierten Designs. Inspiration dafür gibt es in der Modegeschichte genug. Die taillierten Kleider der 50er, die Power-Suits der 80er oder die figurbetonten Looks der 2000er – sie alle beeinflussen aktuelle Kollektionen. Aber sie werden neu interpretiert und erstaunlich spielerisch in die Kollektionen eingewebt.

 

 

Wie tragbar ist die Sanduhr-Silhouette im Alltag?

Streetstyle mit Sanduhr-Silhouette? Aber ja! Denn du musst dich nicht zwangsläufig in ein Korsett schnüren, um den Look zu stylen. Der aktuelle Sanduhr-Trend ist flexibel und bequem – und dabei überraschend vielseitig. Denn die aktuelle Sanduhr-Silhouette ist ein gekonntes Spiel mit Lässigkeit, ganz ohne Zwang. Wer sie richtig stylt, muss weder auf Komfort noch auf Alltagstauglichkeit verzichten. Und das Beste: Jeder Körper kann ‚Sanduhr‘. Es kommt nur darauf an, die Form zu finden, die zu dir passt. In den Streetstyles wird die Taille sanft mit einem Ledergürtel über dem Blazer akzentuiert – ein Styling-Kniff, den du dir abschauen kannst. Korsettbreite Gürtel über cozy Materialien sind überhaupt der Kern des neuen Trends.

 

Man trifft sich in der Mitte

Formgebung statt ‚Einschnüren‘ lautet also die Devise – die Neuinterpretation setzt nicht um jeden Preis auf ‚hauteng‘. Vielmehr geht es darum, die eigene Figur und  die Taille zu betonen.

Im Alltag kannst du das spielerisch umsetzen. Hoch im Kurs stehen aktuell Midikleider mit einem gewissen Stretch-Anteil mit Taillennaht oder Raffungen. Das Gute daran: Du bist im Handumdrehen perfekt angezogen – übrigens auch auf Reisen, da Stretch-Materialien in der Regel nicht knittern. So kannst du deinen Fashion-Favoriten aus dem Koffer nehmen, anziehen und siehst gut darin aus.

 

 

Auch Wickelkleider erfüllen genau diesem Zweck. Sie passen sich individuell an deine Silhouette an und betonen durch den Schnitt automatisch deine Taille.

Selbst, wenn dein Basisoutfit weiter geschnitten ist, kannst du mit einem schlichten oder breiten Gürtel – je nach Geschmack – beispielsweise einem Hemdkleid sofort Struktur geben.

Und nicht zu vergessen: Der einfachste Start in die Sanduhr-Silhouette ist ein taillierter Blazer zu einer weiten Hose. Auch hier kannst du on top mit einem Gürtel arbeiten, um deinem Gesamtlook den gewünschten Fokus zu geben,

 

So einfach stylst du die neue Sanduhr-Silhouette

Kurvenschmeichler wie taillierte Blazer zeichnen den neuen Modetrend aus. Die ikonische Sanduhr-Silhouette wird natürlich und ohne Zwang in die Gegenwart übersetzt. Hoch im Kurs stehen Looks, die mit der Idee der Sanduhr-Form spielen, sie zitieren und dabei genug Raum für Individualität lassen. Hier ein paar Tipps, wie du den Trend umsetzen kannst:

  • • Definiere mit deinem Outfit deine Taille – wählen einen taillierten Cut oder arbeite mit einem Gürtel.
  • • Entscheide dich für Materialien, die deinen Körper sanft umspielen und akzentuiere den Look in der Körpermitte.
  • • Trage Wickelkleider, die unweigerlich die Körpermitte betonen
  • • Wähle taillierte Schnitte oder Midikleider mit Stretch-Anteil und Drapierungen, Raffungen in der Körpermitte.
  • • Kombiniere beispielsweise eine Bluse oder ein Hemd mit einem Korsett-ähnlichem Oberteil, das den Look in Szene setzt und stilvolle Kurven kreiert
  • • Starte mit einem taillierten Blazer oder ergänze einen Blazer, den du mit einem schmalen Gürtel akzentuierst.
  • • Füge Accessoires hinzu, welche die Taille betonen: schmale Gürtel, breite Taillengürtel, spielerische Kordeln etc.

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Meine Liebe zu Mode und Kommunikation hat mich zu Ana Alcazar gebracht – als Texterin & Konzepterin in der klassischen Werbung groß geworden, schreibe ich seit über 10 Jahren für unser Münchner Designerlabel. Im Redaktionsteam bin ich für alle Corporate-Themen zuständig, außerdem befasse ich mich hier mit aktuellen Trends & meinem Herzensthema Gleichberechtigung.

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