Dez. 27, 2025

Mode der 40er Jahre – eine Retrospektive

Es gibt kein Jahrzehnt, das sich nicht in der Mode widergespiegelt hätte. Unweigerlich formt Zeitgeschehen das, was getragen wird. Die 1940er Jahre waren von dem einem prägenden Ereignis gekennzeichnet: dem Zweiten Weltkrieg. Das hat die Mode stark beeinflusst, die sich zwischen Kriegsentbehrung, Funktionalität und dem späteren Wunsch nach Neubeginn bewegte.

Von 1939 bis 1945 befand sich die Welt in höchster Alarmbereitschaft. Es herrschte soziale, politische und wirtschaftliche Unruhe. Männer wurden an die Front geschickt, der Handel kam zum Erliegen und die Industrie litt. Als Konsequenz wurden Stoffe und Materialien rationiert, Wolle, Leder und Nylon wurden für militärische Zwecke benötigt, was direkte Auswirkungen auf Schnitte und Kreation hatte: Das Getragene musste funktional, langlebig und materialschonend sein. Überflüssige Details wie Volants, breite Säume oder aufwendige Verzierungen verschwanden, niemand hatte Stoff oder Sinn für Verspieltes. Kleidung wurde repariert, umgenäht und über Jahre getragen. Silhouetten wurden stromlinienförmiger, gestalteten sich maskuliner. Auch die Tatsache, dass Frauen, deren Männer im Krieg waren, arbeiteten, nahm Einfluss auf die Kleidung. Frauen übernahmen Aufgaben in Fabriken, Büros und in der Landwirtschaft. Diese veränderte Lebensrealität spiegelte sich unmittelbar in der Kleidung wider, die an Ausdruckskraft verlor.

 

Schauspielerinnen & Stilikonen der Zeit

1942: Ingrid Bergmann

 

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1944: Ilse Werner

 

 

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Stil trotz Einschränkung: Die typischen Looks bis 1945

Aus ‚Alt mach Neu‘ – so lautete die Devise in der ersten Hälfte der 40er Jahre. Frauen kombinierten verschiedene Stoffreste oder verwerteten in die Jahre gekommene Herrenmode. Es blieb auch nichts anderes übrig, da die Armee eine hohe Nachfrage an Baumwolle und Leder hatte. Die Gesamt-Outfits wirkten klar, seriös und schnörkellos. Sie strahlten zeitlose Eleganz aus.

 

► Die Silhouette

Die Stoff-Not der Kriegsjahre veränderte Fashion grundlegend. Schon allein, um Stoff zu sparen, besann man sich auf figurbetonte Kleidung – auch inspiriert von den strengen und kantigen Militäruniformen. Breite gepolsterte Schulterpartien, taillierte Schnitte und gerade Röcke prägten die sachlich wirkenden Outfits. Charakteristisch war eine schmale Highwaist-Taille, die häufig noch mit einem Gürtel betont wurde.

 

 

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► Das Kostüm als Antwort

Der Ursprung des Kostüms waren in die Jahre gekommene Maßanzüge von Männern. Sie wurden schlicht als Kostüm für Damen umgeschneidert. Die Schnitte der Kragenpartie variierten – es gab Jacken mit Revers und ohne. Unter den Jacken trugen die Frauen oft eine Bluse kombiniert mit einem leichten Pullover mit V-Ausschnitt oder Rundhalskragen.

 

 

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► Die neue Rocklänge

… war aus der Not geboren: Aus Mangel an anderen Möglichkeiten fuhren Frauen viel Fahrrad. Auch das hatte, neben der Materialknappheit, einen direkten Einfluss auf die Rocklänge. Säume wurden nach oben verlagert, Röcke und Kleider wurden pragmatisch kürzer und schmäler. Sie reichten in der Regel bis unters Knie. Auch Kleider kamen mit einfachen Schnitten, oft mit Knopfleisten, Schulterpolstern und praktischen Taschen.

 

 

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► Die Hose – auch für Frauen

Eine der nachhaltigsten Fashion-Upgrades für Frauen waren Hosen. Sie waren nicht nur Teil der Arbeitskleidung der ‚Working Women‘ in Fabriken oder auf dem Feld, sondern fanden nahtlos ihren Platz in der Alltagsgarderobe. Beliebt waren Modelle mit hochgeschnittenen Taillen-Cuts, die in der edleren Ausführung mit Knöpfen bestückt waren.

 

 

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► Farben

Anzüge waren meist aus dunklen Stoffen. Es gab im Zuge der allgemeinen Knappheit keine Färbe- oder Bleichmittel. So dominierten Blau-, Grün-, Grau- und Brauntöne die Kleidung, auch klassisches Schwarz war zu sehen. Muster oder helle Nuancen verschwanden zusehends aus der Garderobe.

 

► Nylon-Strumpfhose

Als 1940 erstmals Nylonstrümpfe erhältlich waren, wurden sie augenblicklich zum Renner. Ein Jahr später wurde Nylon als Geheimtipp für den Krieg entdeckt, um zum Beispiel Fallschirme und Reifen herzustellen. Da der Nachschub knapp war, wurde die Produktion hintenangestellt und Frauen mussten ihre Nylon-Lieblinge abgeben.

 

 

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► Accessoires

Accessoires wurden wegen mangelnder Verfügbarkeit zur Kriegszeit kaum getragen, zur Betonung der Individualität waren Hüte en vogue. Diese waren im Gegensatz zur Kleidung ausladend, extrovertiert und oft mit Zierdetails bestückt. Schuhe wurden neu aufgearbeitet. Anstatt Leder wurden Materialien wie Jute, Zellophan oder Bast verwendet, die den Schuh klobig erschienen lies. Alternativ wurde für die Sohlen auf Kork und Holz ausgewichen. Beliebte Modelle waren Mary Janes und Peep Toes.

 

 

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Ende der 40er Jahre: Ein neues Modebewusstsein erwacht

Erst einige Jahre nach dem Kriegsende änderte sich die Stimmung. Die Sehnsucht nach Stofffülle, runden Formen und einer neuen Femininität brach sich Bahn. Die breiten Schultern verschwanden aus den Kollektionen. Die schmalen Taillen, betont mit Gürtel, mündeten ab jetzt in weite und opulent geraffte Röcke, die teilweise bis auf den Boden reichten. Schimmernde Stoffe, Strümpfe, Handschuhe und aufwändige Kopfbedeckungen dominierten die Nachkriegszeit.

 

 

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Prägend – nicht nur für die Zeit, sondern für die Mode bis heute – ist Christian Diors ‚New Look‘, den er 1947 den Augen der Welt in Paris präsentierte. Dieser war ein radikaler Bruch mit der Kriegsästhetik. Der ‚New Look‘ orientierte sich an dem Modebild vor dem Krieg und interpretierte es verschwenderisch: Feminine Silhouetten mit Wespentaille, schmale, runde Schulterpartien, betonte Brüste und volumenreiche Lagen-Röcke in Midilänge. Zudem verwendete der Designer für diesen Look viele unterschiedliche Stoffe. Frauen sollten sich nach Jahren der Entbehrung stolz, luxuriös und feminin fühlen können. Gegen Ende der 40er eroberten Bleistiftröcke und weitschwingende Petticoats die Herzen der Modebegeisterten und läuteten damit die 50ies ein.

 

Dein 40ies Look – Dos und Don’ts

Dos

  • • Kostüme
  • • Knielange Röcke
  • • Hosen mit hohem Taillencut
  • • Blazer mit breiten Schultern
  • • Schluppenblusen
  • • Strickpullis
  • • Dezente Muster wie Nadelstreifen oder Karos
  • • Gedeckte Farben wie Braun, Blau, Grau oder Schwarz
  • • Feste Stoffe
  • • Hochsteckfrisuren
  • • Roter Lippenstift


Don’ts

  • • Fließende Stoffe
  • • Verspielte Details wie Volants, Rüschen
  • • Miniröcke
  • • Prints
  • • Glamour, tiefe Dekolletés
  • • Asymmetrische Schnitte
  • • Pailletten, Metallic
  • • High Heels
  • • Zu viele Accessoires
  • • Schmuck
  • • Den Look überladen

 

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Meine Liebe zu Mode und Kommunikation hat mich zu Ana Alcazar gebracht – als Texterin & Konzepterin in der klassischen Werbung groß geworden, schreibe ich seit über 10 Jahren für unser Münchner Designerlabel. Im Redaktionsteam bin ich für alle Corporate-Themen zuständig, außerdem befasse ich mich hier mit aktuellen Trends & meinem Herzensthema Gleichberechtigung.

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